Wie findet bzw. erkennt man die entscheidenden Informationen in einem Rechtstext?

Jeder hat früher oder später in seinem Leben mit Rechtstexten zu tun. Es muss nicht immer gleich Patentrecht oder Strafrecht sein. Vielleicht muss man einen Mietvertrag studieren oder man stolpert bei einer Recherche über einen zitierten Paragraphen eines Gesetzbuches und will sich dort schlau machen. Dieses Bestreben ist jedoch meist nur von Erfolg gekrönt, wenn man bereits Jura studiert hat oder jemanden kennt, der das bereits getan hat. Wie aber soll man ohne juristisches Fachwissen die wichtigsten Informationen aus einem Rechtstext filtern, wo doch die Rechtssprache allein schon kaum zu verstehen ist? Ein paar Tipps, wie man an solch ein Vorhaben herangehen kann, erhalten Sie hier und heute.

Zunächst einmal ist es entscheidend, welcher Gattung von Rechtstext Ihre Aufmerksamkeit gilt, da jede dieser Gattungen über eine eigene Struktur verfügt, die man unbedingt beachten sollte. Ein Testament ist anders aufgebaut als ein Patent, dieses wiederum anders als das Grundgesetz. Diese Art von Texten funktioniert wie ein Formular, also eine Form, die mit Inhalt gefüllt und damit stets aktualisiert wird. Es kann also durchaus ratsam sein, zuerst einmal über eine Recherche – und wenn es bei Wikipedia ist – herauszufinden, wie der jeweilige Rechtstext, mit dem man es zu tun hat, funktioniert, wo also was zu finden ist. Danach fällt es leichter, gezielt nach Informationen zu suchen.

Haben Sie etwa vor, in einem längeren Rechtstext wie zum Beispiel einem umfangreichen Gesetzbuch bestimmte Informationen zu suchen, empfiehlt es sich, bestimmte Stichwörter zu notieren. Sofern man das Buch in physischer Form vor sich liegen hat, kommt man oftmals über den Index bzw. das Glossar weiter, besser eignen sich jedoch digitale Versionen, die man methodisch und vor allem automatisch durchsuchen lassen kann. Das spart Zeit und ist extrem gründlich, sodass man kaum etwas übersehen kann.

Um schnell und effizient die entscheidenden Informationen in einem Rechtstext erkennen zu können, benötigt es jedoch auch viel Erfahrung. Diese weisen nun leider einmal oft nur Anwälte auf, um die man zumindest dann nicht umhinkommt, wenn viel auf dem Spiel steht. Wer will schon tausende Euro verlieren, bloß weil er einen Vertrag nicht richtig verstanden oder das Kleingedruckte nicht gelesen hat? Was jedoch hilft, um dort Zeit und damit Kapital zu sparen: Vorher selbst den Rechtstext, um den es geht, möglichst genau studieren und zu verstehen versuchen, wichtige Stellen markieren und Bemerkungen an den Rand schreiben.

Schließlich, das ist schon fast ein Gemeinplatz, aber man sollte diese Möglichkeit nicht vergessen, lohnt es, sich im Internet in Foren und Chatrooms schlau zu machen. Es gibt kaum eine Frage, kaum ein Problem, das nicht schon andere vor einem hatten. Von diesem Wissen kann und sollte man unbedingt profitieren, da es kostenlos ist. Eine Absicherung freilich ermöglicht auch hier nur eine gute Rechtsberatung.

Recht und Linguistik – Warum man Jura studiert haben sollte, um Rechtstexte zu schreiben und zu übersetzen

Unter einer juristischen Übersetzung versteht man die Übersetzung eines Texts auf dem Gebiet des Rechts. Das klingt für all jene, die mit der Rechtssprache nicht so vertraut sind, ziemlich kompliziert, doch für Juristen stellt das kein Problem dar, da sie über die notwendigen sprachlichen Kenntnisse (Fachterminologie, sprachliche Struktur von Rechtstexten etc.) sowie die Kenntnisse der verschiedenen Rechtssysteme verfügen. In diesem Beitrag soll es in erster Linie um die sprachliche Seite von Rechtstexten gehen. Welche sprachlichen Merkmale weisen diese Texte auf? Was muss man sich also aneignen, wenn man sie verfassen will, also etwa einen Mietvertrag oder ein Testament aufsetzen will?

Zunächst einmal gilt es zu beachten, dass nicht nur im angelsächsischen und romanischen Sprachraum, sondern auch im Deutschen noch viele Latinismen in der Rechtssprache zu finden sind, die man sich unbedingt aneignen sollte. Das liegt historisch bedingt am starken Einfluss des römischen Rechts auf die verschiedenen Stammes- und später auch nationalen Rechtssysteme und macht sich in Phrasen wie „res nova“ (Neuerung), „actus reus“ (schuldige Haltung) oder „bona fide“ (in gutem Glauben) bemerkbar. Zudem zeichnet sich besonders die Rechtssprache durch zahlreiche Archaismen aus, also durch einen aus Sicht der Alltagssprache veralteten Sprachgebrauch, was darin begründet liegt, dass die Rechtssprache nach größtmöglicher Formalität strebt (z.B. „Treu und Glauben“). Außerdem sollen Rechtstexte möglichst sicher formuliert sein. Verwendet man mehr konventionelle Begriffe, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man im Sinne der rechtsverbindlichen lexikalischen Bedeutungen keine Fehler in einen Text einbaut. Dass darunter die Verständlichkeit – zumindest für Außenstehende – enorm leiden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Beim Verfassen von Rechtstexten fällt immer wieder auf, dass Autoren auch einiges Vermeiden, so zum Beispiel den Gebrauch von referentiellen Pronomen wie Personalpronomen (er, sie, es etc.) oder Demonstrativpronomen (dieser, diese, dieses etc.). Woran liegt das? In der Rechtssprache ist man immer und sehr ausdrücklich auf die Exaktheit von Bezügen bedacht. Da solche Pronomen aber schnell zu Uneindeutigkeiten – und damit zu einem falschen Sinn bzw. einer falschen Auslegung – führen können, versucht man sie nach Möglichkeit komplett wegzulassen.

In Richtung Verdeutlichung und Exaktheit weisen hingegen die zahlreichen (oft alliterierenden) Paarformeln, die für Rechtstexte so typisch und teilweise auch in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen sind („Kind und Kegel“, „gang und gäbe“ etc.). Oft werden auch Synonyme oder Beinahe-Synonyme verwendet, um Eindeutigkeit zu schaffen, egal, ob es sich dabei um Adjektive, Substantive, Verben oder Präpositionen handelt. Wenn man rechtliche Texte übersetzen will, sollte man zudem über ein großes Fachvokabular verfügen, das über lateinische Begrifflichkeiten oder Phrasen hinausgeht, man spricht dann von sogenannten „Termini technici“, als technischen Begrifflichkeiten, die in dieser speziellen Verwendung so nur in der Rechtssprache vorkommen („Leihe“, „vorbehaltlich“, „billig“ etc.).

Wer sich aus linguistischer Perspektive etwas intensiver mit dem Recht und seiner Verbalisierung auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass man vor einigen Hürden steht. Man muss zwar keine etymologisch neue Sprache lernen, aber doch eine Fachsprache, die so wie das Deutsche oder Spanische historisch gewachsen ist und erlernt und verstanden werden will, bevor man sie aus eigenen Stücken zur Anwendung bringen kann. Und dafür empfiehlt sich schließlich doch ein Jurastudium, sofern auf der „sicheren Seite“ sein möchte.

„Res iudicata“? Wie Recht geschrieben wird: Unterscheidungsmerkmale von Rechtstexten

Ein Rechtstext unterscheidet sich aus linguistischer Perspektive um einiges von der Alltagssprache, die jeder nutzt. Das trifft besonders dann zu, wenn man es mit sogenannten autoritativen Rechtstexten zu tun hat, also solchen, die Rechte oder Verpflichtungen von Individuen oder Institutionen schaffen, verändern oder begrenzen: Verfassungen, Verträge, Anweisungen, Dekrete, Statuten, Testamente und dergleichen mehr. Jede dieser verschiedenen Gattungen von Rechtstexten verfügt mehr oder weniger über ein eigenes und recht stereotypes Format und ist für gewöhnlich in einer spezifischen Rechtssprache verfasst, die sich kulturell bedingt von anderen Rechtssprachen unterscheiden kann. Den meisten gemein sein dürfte jedoch, dass sie über einen oder mehrere performative Sprechakte verfügen, wie der Sprachtheoretiker J. L. Austin es ausdrückt. Das heißt nichts anderes, als dass sie bestimmte Wendungen aufweisen, die ihre beabsichtigte Funktion umsetzen sollen, so wie ein Vertrag so gut wie immer etwa eine oder mehrere Versprechungen beinhaltet, ein Testament weist Verben auf, die zum Ausdruck bringen, dass Besitz im Todesfall übertragen wird usw. Es sind also gerade die Struktur und die spezifische Sprache dieser Texte, die sie von anderen Texten, etwa Liedtexten, Zeitungsartikeln oder einer Packungsbeilage unterscheiden.

Zudem ist natürlich der Kontext, in welchem sie Verwendung finden, entscheidend. Bringt man eine Klage nicht vor Gericht ein, sondern trägt sie zum nächsten Apotheker, hat sie dort keinerlei Wirkung. Denn die kann sie nur vor Gericht erlangen, und auch nur, wenn sie von jemandem eingebracht wird, der in der Rolle des Klägers auftritt. Doch darum soll es im Folgenden nicht gehen. Vielmehr wird die Frage im Vordergrund stehen, was einen Rechtstext in struktureller und linguistischer Hinsicht auszeichnet, wobei nur einige wichtige Merkmale zur Sprache kommen können.

Zwei der wohl hervorstechendsten Merkmale von Rechtstexten sind ihre Formelhaftigkeit und ihr stereotyper Aufbau. Sicherlich können einige Texte eine ziemlich elaborierte Struktur aufweisen, aber typischerweise folgen sie einer vorgegeben Struktur, die sich kaum verändert und lediglich mit Inhalt „gefüllt“ werden will, je nachdem, um welche Sache es sich handelt. So weiß jeder, der schon einmal einen rechtsverbindlichen Vertrag wie einen Mietvertrag oder einen Handyvertrag unterzeichnet hat, das zunächst die Parteien benannt werden müssen, die den Vertrag miteinander eingehen. Es gibt unter Umständen verschiedenste Paragraphen und Klauseln, definitiv aber müssen Ort und Datum sowie Unterschriften der geschäftsfähigen Parteien am Ende des Vertrages zu finden sein, damit er Gültigkeit erlangt.

Die Sprache von Rechtstexten ist zum Ziel zahlreicher Studien geworden, einige davon untersuchen sie unter sprachgeschichtlichen Aspekten, andere in Hinblick auf ihrer Performativität oder die Frage, wie man sie verständlicher machen kann. Immerhin handelt es sich um eine Fachsprache, die sich, egal ob im Deutschen, Englischen oder Chinesischen zumeist über viele Jahrhunderte entwickelt hat und oft von Spezialisten erlernt werden muss. Juristen verfügen dementsprechend etwa über das notwendige Fachvokabular, das sich in der westlichen Zivilisation zum Teil noch aus dem Latein speist („bona fide“ – in gutem Glauben; „res iudicata“ – entschiedene Sache etc.). Die Wendungen muten oftmals archaisch an, es gibt viele unpersönliche und Passivkonstruktionen, Nominalisierungen, mehrfache Verneinungen, lange und komplexe Sätze sowie inhaltliche Redundanzen (sogenannte Paarformeln).