Recht und Linguistik – Warum man Jura studiert haben sollte, um Rechtstexte zu schreiben und zu übersetzen

Unter einer juristischen Übersetzung versteht man die Übersetzung eines Texts auf dem Gebiet des Rechts. Das klingt für all jene, die mit der Rechtssprache nicht so vertraut sind, ziemlich kompliziert, doch für Juristen stellt das kein Problem dar, da sie über die notwendigen sprachlichen Kenntnisse (Fachterminologie, sprachliche Struktur von Rechtstexten etc.) sowie die Kenntnisse der verschiedenen Rechtssysteme verfügen. In diesem Beitrag soll es in erster Linie um die sprachliche Seite von Rechtstexten gehen. Welche sprachlichen Merkmale weisen diese Texte auf? Was muss man sich also aneignen, wenn man sie verfassen will, also etwa einen Mietvertrag oder ein Testament aufsetzen will?

Zunächst einmal gilt es zu beachten, dass nicht nur im angelsächsischen und romanischen Sprachraum, sondern auch im Deutschen noch viele Latinismen in der Rechtssprache zu finden sind, die man sich unbedingt aneignen sollte. Das liegt historisch bedingt am starken Einfluss des römischen Rechts auf die verschiedenen Stammes- und später auch nationalen Rechtssysteme und macht sich in Phrasen wie „res nova“ (Neuerung), „actus reus“ (schuldige Haltung) oder „bona fide“ (in gutem Glauben) bemerkbar. Zudem zeichnet sich besonders die Rechtssprache durch zahlreiche Archaismen aus, also durch einen aus Sicht der Alltagssprache veralteten Sprachgebrauch, was darin begründet liegt, dass die Rechtssprache nach größtmöglicher Formalität strebt (z.B. „Treu und Glauben“). Außerdem sollen Rechtstexte möglichst sicher formuliert sein. Verwendet man mehr konventionelle Begriffe, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man im Sinne der rechtsverbindlichen lexikalischen Bedeutungen keine Fehler in einen Text einbaut. Dass darunter die Verständlichkeit – zumindest für Außenstehende – enorm leiden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Beim Verfassen von Rechtstexten fällt immer wieder auf, dass Autoren auch einiges Vermeiden, so zum Beispiel den Gebrauch von referentiellen Pronomen wie Personalpronomen (er, sie, es etc.) oder Demonstrativpronomen (dieser, diese, dieses etc.). Woran liegt das? In der Rechtssprache ist man immer und sehr ausdrücklich auf die Exaktheit von Bezügen bedacht. Da solche Pronomen aber schnell zu Uneindeutigkeiten – und damit zu einem falschen Sinn bzw. einer falschen Auslegung – führen können, versucht man sie nach Möglichkeit komplett wegzulassen.

In Richtung Verdeutlichung und Exaktheit weisen hingegen die zahlreichen (oft alliterierenden) Paarformeln, die für Rechtstexte so typisch und teilweise auch in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen sind („Kind und Kegel“, „gang und gäbe“ etc.). Oft werden auch Synonyme oder Beinahe-Synonyme verwendet, um Eindeutigkeit zu schaffen, egal, ob es sich dabei um Adjektive, Substantive, Verben oder Präpositionen handelt. Wenn man rechtliche Texte übersetzen will, sollte man zudem über ein großes Fachvokabular verfügen, das über lateinische Begrifflichkeiten oder Phrasen hinausgeht, man spricht dann von sogenannten „Termini technici“, als technischen Begrifflichkeiten, die in dieser speziellen Verwendung so nur in der Rechtssprache vorkommen („Leihe“, „vorbehaltlich“, „billig“ etc.).

Wer sich aus linguistischer Perspektive etwas intensiver mit dem Recht und seiner Verbalisierung auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass man vor einigen Hürden steht. Man muss zwar keine etymologisch neue Sprache lernen, aber doch eine Fachsprache, die so wie das Deutsche oder Spanische historisch gewachsen ist und erlernt und verstanden werden will, bevor man sie aus eigenen Stücken zur Anwendung bringen kann. Und dafür empfiehlt sich schließlich doch ein Jurastudium, sofern auf der „sicheren Seite“ sein möchte.